Qi Gong und Working Out Loud – nur zwei unterschiedliche Leidenschaften?

Warum suchen wir oft nur nach den Unterschieden, und nicht nach den Gemeinsamkeiten? Auch wenn zwei Dinge auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, können sie doch auf ähnlichen Prinzipien beruhen.

Diese inne wohnenden Gemeinsamkeiten sind mir auch bei zwei meiner Leidenschaften aufgefallen: Qi Gong und Working Out Loud (WOL). Das erste steht für Übungen (Methoden) zur Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit, das zweite (wenn man so möchte) bezeichnet eine Methode der Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit von Unternehmen und deren Mitarbeitern.

Aha, schon die erste Gemeinsamkeit? Wohl eher ein Wortspiel. Ich möchte jedoch zeigen, welchen Nutzen die sechs Prinzipien des Qi Gong Yangsheng (Pflege des Lebens)Übungsmethode für Working Out Loud haben können. Und wie sich zeigt, verbinden die beiden Themen noch mehr Gemeinsamkeiten…

Die Übungsprinzipien des Qi Gong

Auf der Suche nach Wegen, meine Gesundheit selbst zu verbessern, bin ich irgendwann auf die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gestoßen. Auch ein Laie kann von den positiven Auswirkungen profitieren, sofern ein Lehrer die Grundlagen zeigt. Also lernte ich die Grundlagen der TCM im Rahmen einer Ausbildung zum Tuina-Therapeuten (Akupressur und Massage) und Qi Gong-Übungsleiter.

Da meine Gesundheit durch schwere Krankheiten eingeschränkt ist, war ich von der Idee fasziniert, Jahrtausende alte, entsprechend erprobte und bewährte Mittel zu erlernen, mit denen ich mir selbst, ganz individuell und selbstständig, helfen kann.

Die Akupressur wende ich bei Bedarf an, um zum Beispiel eine angehende Erkältung abzuwehren, Kopfschmerzen zu lindern oder mich zu entspannen. Qi Gong übe ich täglich, um meinen Körper zu kräftigen und mehr Energie zur Verfügung zu haben.

Vor allem Qi Gong mit seinen zahlreichen ruhigen und bewegten Übungen ist sehr angenehm. Vorausgesetzt, man übt wirklich regelmäßig und wendet das an, was man gelernt hat, um es in eine Gewohnheit zu verwandeln. Die sechs Prinzipien helfen, zielgerichtet auf dem Übungsweg voran zu kommen und die ganze Wirkung der Methode zu entfalten.

Die sechs Prinzipien im Überblick

Dies sind die Prinzipien, die nicht nur im Qi Gong ihr Potential entfalten können. Lassen Sie sich nicht durch die Begriffe irritieren – sie werden sehen, wie sich alles zueinander fügt.

  • Entspannung, Ruhe, Natürlichkeit
  • Vorstellungskraft und Qi folgen einander
  • Bewegung und Ruhe gehören zusammen
  • Oben “leicht”, unten “fest”
  • Das richtige Maß
  • Schritt für Schritt

Was hat das nun alles mit Working Out Loud zu tun?

Entspannung, Ruhe, Natürlichkeit

Qi Gong Übungen helfen, die Energie im Körper (das Qi) zu harmonisieren. Das funktioniert nur in einem ruhigen, entspannten Zustand. Durch die geistige Ruhe gelingt es einem wieder, in sich selbst zu hören und seine eigenen Ziele und Motivationen zu finden und diese zu kultivieren. Durch das Erkennen der eigenen Natur erreicht man eine Natürlichkeit, die auch dabei hilft, sich von äußeren Druck und negativen Einflüssen zu befreien.

Dieser Zustand entwickelt sich im Laufe der Zeit durch regelmäßigen Übung. Natürlichkeit bedeutet auch, dass jeder Trainierende die Übung anders ausführt, entsprechend den eigenen Bedingungen, eben so, wie es individuell am besten passt.

In Working Out Loud finde ich vor allem den Aspekt der Natürlichkeit wieder. Durch Übungen wie “50 Fakten über mich” (WOL Circle Woche 5) werden wir uns unserer Stärken bewusst, und durch Einüben der Methode WOL üben wir, diese Stärke auch zu nutzen, offen anzusprechen und Selbstvertrauen zu gewinnen, dafür einzustehen.

Indem wir entspannt an unser Ziel heran gehen, vermeiden wir unüberlegte Entscheidungen und Äußerungen, werden bessere Zuhörer und können somit auch empathischer auf unsere Mitmenschen zugehen (siehe auch: “Das Posteingangs-Empathie-Spiel, WOL Circle Woche 4).

Vorstellungskraft und Qi folgen einander

Diese Prinzip spricht einen aus meiner Sicht enorm wichtigen Aspekt an. Ich stimme mit Christiane Stenger (Gedächtnisweltmeisterin) überein, die sagt: “Lassen Sie ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt“. Unser Gehirn versucht alles, was wir uns vorstellen, auch zu realisieren, sei es positiv “Ich schaffe das!” oder negativ “Ich bin einfach zu blöd”.

Daher ist es so wichtig, unsere Vorstellungskraft sinnvoll zu nutzen, um unsere Energien in eine positive Richtung zu steuern. Im Qi Gong heißt es “Die Vorstellungkraft führt das Qi” und “Das Qi folgt der Vorstellungskraft”. Die Bewegung in der Übung alleine ist nicht mehr als Gymnastik. Setzen wir aber die Vorstellungskraft aktiv ein, indem wir uns zum Beispiel beim Senken der Hände vor der Brust vorstellen, einen Ball ins Wasser zu drücken, erzielen wir eine vielfach größere Wirkung.

Im WOL erlebe ich immer wieder, welche neuen Möglichkeiten (also Wirkungen) sich eröffnen, wenn ich die Methode konsequent anwende, mich etwa wirklich mit meinen Kontakten beschäftige und mir vorstelle, womit ihm jemandem helfen kann. In diesem Sinne folgen ebenfalls die positiven Energien meiner Vorstellung.

Ganz deutlich wird das in der Übung “Ein Brief von meinem zukünftigen Selbst” (WOL Circle Woche 7). Hier arbeite ich sehr intensiv mit meiner Vorstellung, nutze Emotionen, um mir einen Zielzustand auszumalen. Die Vorstellungskraft hilft, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen.

Bewegung und Ruhe gehören zusammen

Im Qi Gong gibt es Übungen in Bewegung wie die 8 Brokate, aber auch Übungen in Ruhe, wie der Kleine Energiekreislauf aus dem Stillen Qi Gong. Dabei versteht man im Qi Gong unter Bewegung sowohl die äußere Bewegung des Körpers als auch die innere Bewegung des Qi (der “Lebensenergie”). Die Qi-Bewegung ist dabei nicht abstrakt, sondern ganz real erlebbar, als Kribbeln oder Gefühl der Wärme.

Ohne Bewegung gibt es keine Veränderung” – das ist sicher für alle Lebenslagen anwendbar. Im Qi Gong bietet die innere Ruhe die Grundlage dafür, dass sich die Wirkung der Bewegung richtig entfalten kann.

Indem wir die vorgeschlagenen Methoden im WOL Circle üben, indem wir selbst sichtbar werden und andere ansprechen wie in der Übung “Können wir Freunde sein” (WOL Circle Woche 6), bewegen wir uns auch und erzeugen dadurch Wirkung. Wir eröffnen neue Gelegenheiten. Dabei gehen wir aber nicht planlos vor, sondern ruhig und gezielt. Auch hier ist die innere Ruhe die Basis dafür, dass wir gezielt, authentisch und empathisch mit anderen zusammenarbeiten.

Oben leicht, unten fest

Ein stabiler Stand ist die Basis dafür, dass wir uns frei und sicher bewegen können. Deswegen legen wir im Qi Gong viel Wert darauf, stabil (fest) zu stehen, ohne steif zu werden. Das hat viele Vorteile für die Gesundheit: die Atmung ist frei, der Kopf ist klar, wir hören und sehen gut. Unsere obere Körperhälfte wie Rumpf, Arme und Kopf, ist frei beweglich und flexibel.

Fehlt uns der sichere Stand, ist zuviel Energie in der oberen Körperhälfte. Fehlt die obere Leichtigkeit, leiden wir oft unter Kopfschmerzen, Schwindel, sehen und hören schlecht und sind unruhig und hektisch.

Was ist die Basis von WOL? Was muss ich pflegen, damit ich mir sicher bin und mich frei in meinen Gedanken und Handlungen bewegen kann? Ich glaube, der wichtigste Punkt ist, meine eigenen Stärken zu erkennen und mir zu vertrauen. Wenn ich mir selbst sicher bin, kann ich auch selbstbewusst an andere herantreten, denn ich weiß, was ich anzubieten habe. Das ist zum Beispiel die Grundlage der Übung “Stelle eine persönliche Verbindung her” (WOL Circle Woche 5).

Dieses Selbstvertrauen verschafft uns die Sicherheit, flexibel auf Anforderungen zu reagieren und hilft uns, dran zu bleiben und nicht aufzugeben, auch wenn die Lösung nicht sofort sichtbar ist.

Das richtige Maß

Dieses Prinzip ist eng mit dem Prinzip der Natürlichkeit verwandt. Wir können die optimale Wirkung einer Qi Gong Übung nur erzielen, wenn wir uns während und nach der Übung wohl fühlen. Das gelingt nur, wenn wir die Übung an unsere eigenen Bedingungen anpassen. Wir müssen selbst das rechte Maß festlegen, wie weit wir uns zum Beispiel beugen, wie tief hocken können. Hören wir nicht auf unseren Körper, bleibt entweder die Wirkung aus (nicht intensiv genug geübt), oder wir fühlen uns nicht gut (übertrieben geübt).

Beim richtigen Maß in WOL denke ich vor allem an Übungen, die uns helfen, großzügig und empathisch auf andere Personen zuzugehen, etwa “Deine ersten Beitrage” (WOL Circle Woche 2) oder “Stelle eine persönliche Verbindung her” (WOL Circle Woche 5). Dabei hilft auch die Beziehungsliste aus Woche 1, die wir im Laufe der Wochen immer wieder aktualisieren. Je nachdem, wie gut wir die Kontakte bereits kennen, können wir die Personen ansprechen.

Indem wir uns wirklich Gedanken zu unseren Mitmenschen machen, finden wir auch das richtige Maß, um mit ihnen sinnvoll und freundschaftlich zusammen zu arbeiten.

Schritt für Schritt

Dieses Prinzip können wir auf nahezu alles anwenden. Im Qi Gong lernen wir neue Übungsfolgen in kleinen Schritten. Zunächst wird die korrekte Körperhaltung jeder einzelnen Folge geübt, dann die komplette Abfolge. Erst im Laufe der Zeit kommen immer mehr Details dazu, wie die korrekte Vorstellung und Atmung während der Übung.

Dieses Vorgehen garantiert, dass man die korrekte Abfolge der Übung erst verinnerlicht, bevor man sich tieferen Aspekten zuwendet. Im Laufe der Zeit und der regelmäßigen Übung verbinden sich alle Aspekte miteinander zu einem Ganzen, und man kann die Wirkung immer besser genießen.

Auch John Stepper betont die Nützlichkeit, in kleinen Schritten zu üben. Deswegen hat er einen WOL Circle in 12 Wochen aufgeteilt, wobei in jeder Woche kleine Übungen durchgeführt werden, die aufeinander aufbauen. So wird die eigentliche Methode hinter der Übung verinnerlicht. Im Laufe der Zeit verbinden sich alle Elemente harmonisch miteinander und werden zu einer Gewohnheit, die Spaß macht!

Schritt für Schritt ist auch dieser Blogpost entstanden. Von der Idee, zu ersten Einträgen bis zum endgültigen Feilen und veröffentlichen. Für mich auf jeden Fall eine lohnende Kombination.

Ich hoffe, Sie haben auch ein paar Ideen mitgenommen. Vielleicht haben Sie sogar Lust bekommen, Qi Gong, Working Out Loud oder beides einmal auszuprobieren?

Na dann los! Ohne Bewegung keine Veränderung!

 

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2 thoughts on “Qi Gong und Working Out Loud – nur zwei unterschiedliche Leidenschaften?

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