Quelle: Rickydavid
Eine Meldung, die mich wieder zum Nachdenken brachte: Der Ski-Unfall des niederländischen Prinzen Johan Friso Mitte Februar.
Diagnose: Wachkoma
Durch den Unfall stand das Herz von Johan Friso 50 Minuten still. Das Gehirn bekam in dieser Zeit so gut wie keinen Sauerstoff, wichtige Teile starben ab. Ob er jemals wieder aufwachen wird, ist fraglich. Das waren die letzten Aussagen zum Gesundheitszustand des Prinzen. Er liegt im Wachkoma.
Diese Diagnose erhielten traurigerweise viele Menschen, aber meist gelangen nur prominente “Opfer” an die Oberfläche der Nachrichten und in das öffentliche Interesse. Erst sie bringen uns zum Nachdenken.
Was bedeuten diese Verletzungen für die Betroffenen? 10 Minuten ohne Sauerstoff hinterläßt große Schäden im Gehirn. Bei tiefen Temperaturen kann es länger dauern, aber unbeschadet bleibt man nicht. Keiner kann sagen, ob der “bewusste Mensch” im komatösen Körper noch existiert, oder ob lediglich die Körperfunktionen wie Atmen und Herzschlag mit technischer Unterstützung weiterlaufen.
Gefangen im Körper?
Die Vorstellung, sich nicht mehr regen zu können, hundertprozent abhängig zu sein, gefangen im Körper, unfähig zu sterben, ist aus meiner Sicht erschreckend. Ich kann verstehen, dass es für die nahen Verwandten schwierig ist, jemanden gehen zu lassen. Die Hoffnung wird sicher immer wachgehalten, dass der geliebte Mensch wieder aus dem Koma erwacht. Tatsächlich hat eine Untersuchung am Oldenburger Krankenhaus für Schwerst Schädel-Hirn-Geschädigte von 53 Komapatienten ergeben, dass etwa 10% verstarben, 10% im Koma verblieben und rund 80% erwachten.
Was aber bedeutet “erwachen”? Die Patienten sind oft schwerst behindert und auf eine lebenslange Pflege angewiesen. Einige wenige schaffen es, wieder selbstständig zu werden, viele aber nicht. Die Retter wollen natürlich helfen, wiederbeleben, das bischen Leben, das vielleicht noch vorhanden ist, erhalten. Die Angehörigen wollen den Verlust vermeiden, sie schöpfen Kraft aus der Hoffnung. Aber was denken die Betroffenen?
Bei “Menschen der Woche” hat gestern Monika Leupold einen kurzen Einblick gegeben, wie sie die Augenblicke empfand, nachdem eine Lawine sie begraben hatte. Sie hatte schwer verletzt mit ihrem Leben abgeschlossen und erwartete den Erstickungstod. In der Sendung betonte sie, dass sie in diesem Moment jedoch keine Angst verspürte, sondern vielmehr vollkommen zufrieden war. Sie möchte den Angehörigen damit die Sorge nehmen und eine Hoffnung aufzeigen, die in eine andere Richtung weist: “Es geht mir gut, auch wenn ich jetzt sterbe”.
Vielleicht motivieren solche Berichte, darüber nachzudenken, was das “Retten” für den Betroffenen und ebenso für die Angehörigen bedeuten kann. Das “Retten um jeden Preis” muss nicht immer die einzige Lösung sein.






